Betroffene Tarife: Wo die Continentale zum 01.01.2027 anpasst
Kommen wir direkt zum eigentlichen Thema. Die Anpassung erstreckt sich voraussichtlich über den geschlossenen Bestand ebenso wie über die offene Tarifgeneration. Weil die Ursachen in beiden Gruppen unterschiedlich gelagert sind, lohnt vor der Auflistung ein kurzer Blick auf den Unterschied.
Geschlossene Tarife (Bisex)
Ein geschlossener Tarif wird nicht mehr verkauft, sein Kollektiv bekommt keinen Nachwuchs. Wer bleibt, wird älter. Wer geht, fehlt als Beitragszahler. Die Ausgaben steigen, während die Zahl der Schultern sinkt, im Schnitt fallen Anpassungen hier deshalb höher aus als in offenen Tarifen. Ein Mechanismus der Kalkulation, kein Einzelfall der Continentale.
Kompakt
- PURISMA-Tarifreihe (PURISMA MAX, PURISMA MAX1300, PURISMA MAX3100, PURISMA MAX650, PURISMA PRO, PURISMA PRO1300, PURISMA PRO650, PURISMA RELAX, PURISMA REL650, PURISMA REL1300)
- SelAS-Tarifreihe (SelAS 11, SelAS 11 1200, SelAS 11 600, SelAS 21, SelAS 21 1200, SelAS 21 600, SelAS 31, SelAS 31 1200, SelAS 31 600, SelAS 32, SelAS 32 1200, SelAS 32 600, SelAS 33, SelAS 33 1200, SelAS 33 600)
- VPrem-Tarifreihe (VPrem, VPrem 600, VPrem 1200, VPrem 3000, VPrem 6000)
- VR-Tarifreihe (VR100, VR100/1500, VR100/300, VR100/3000, VR100/360, VR100/600)
- VS-Tarifreihe (VS100, VS100/1200, VS100/3000, VS100/275, VS100/330, VS100/3300, VS100/600, VS100/6000, VSB100/300, VSC100, VSC100/400)
- Tarif BSS
- C-Tarifreihe (CB, COMFORT, CS2, CS2PLUS, CS2PLUS-N)
- Tarif ECONOMY
- G-Tarifreihe (GS, GS1, GS1PLUS, GS2)
Ambulant
Stationär
- Tarif BSZ
- S-Tarifreihe (S IV/1, S IV/2, S V, S VI, SGII1/100, SGII2/100)
Dental
- Sel-Tarifreihe (SelZ 2, SelZ 3)
- Z-Tarifreihe (Z 2, Z 4, Z 5)
Offene Tarife (Unisex)
| Tarif | Kinder | Jugendliche | Erwachsene |
| Comfort-U | ? | ? | ? |
| Economy-U | ? | ? | ? |
| PREMIUM | ? | ? | ? |
| BUSINESS | ? | ? | ? |
Woher der Beitragsdruck bei der Conti kommt
Vorab kurz erwähnt: Kein privater Krankenversicherer legt seine Beiträge nach Gutdünken fest. Eine Anpassung ist erst zulässig, wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben die ursprüngliche Kalkulation um einen gesetzlich definierten Schwellenwert übersteigen, geprüft und freigegeben von einem unabhängigen Treuhänder. Was den Druck auf die Kalkulation erzeugt, ist branchenweit identisch:
| Ursache | Was dahinter steckt |
| Medizinische Inflation | Arzthonorare, Klinik- und Arzneimittelkosten steigen laufend, oft stärker als die allgemeine Teuerung. |
| Rechnungszins | Die Alterungsrückstellungen werden am Kapitalmarkt angelegt. Bleiben die Erträge hinter dem kalkulierten Zins zurück, muss der Beitrag die Lücke füllen. |
| Medizinischer Fortschritt | Neue Therapien und Diagnostik verbessern die Versorgung, verteuern aber jede Kalkulation. |
| Steigende Lebenserwartung | Mehr Lebensjahre bedeuten mehr Jahre mit Gesundheitsleistungen, gerade im kostenintensiven Alter. |
Der Schwellenwert erklärt zugleich, warum Anpassungen selten gleichmäßig kommen. Der Kostendruck baut sich über mehrere Jahre auf, erst beim Überschreiten der Grenze darf angepasst werden, dann aber in einem spürbaren Schritt.
Continentale-Anpassungen der Vorjahre: Die Übersicht
Erst die Fakten, dann die Einordnung. Zu den Anpassungen der Continentale aus den letzten Jahren finden Sie hier unsere ausführlichen Beiträge:
| Zum Blogbeitrag | Jahr der Anpassung |
| Continentale PKV Beitragserhöhung 2026 | 2026 |
| Continentale PKV Beitragserhöhung 2025 | 2025 |
| Continentale PKV Beitragserhöhung 2024 | 2024 |
Drei dokumentierte Anpassungen in drei Jahren, 2027 macht daraus Nummer vier. Die Einordnung dazu: Eine solche Taktung ist in der PKV kein Alleinstellungsmerkmal, sie vergrößert aber Jahr für Jahr den Abstand zwischen Ihrem gezahlten Beitrag und dem Beitrag, der im Bestand der Continentale bei gleicher Leistung möglich wäre. Genau diesen Abstand macht ein Tarifwechsel zu Ihrem Vorteil.
Fallbeispiel aus der Maklerpraxis: Continentale-Tarif erfolgreich optimiert
Dass ein Tarifwechsel Wunder wirken kann, zeigt das Beispiel unseres 73 Jahre alten Kunden Ernst, der seit über 20 Jahren bei der Continentale versichert war. Nach einer erneuten Beitragsanpassung kletterte seine Prämie auf stolze 964,10 Euro im Monat. So sah sein alter Versicherungsschein zum Zeitpunkt unserer Konsultierung aus:

Anstatt voreilig zu kündigen, haben wir den Tarifkatalog der Continentale auf den Prüfstand gestellt. Die Zielsetzung war es hierbei, die Leistungen mindestens auf dem gleichen Level zu halten. Wir sind innerhalb der Conti fündig geworden und konnten ein tolles Ergebnis erzielen.
Durch die Optimierung nach §204 VVG liegt Ernst’s neuer Beitrag bei 594,07€ monatlich. Die Leistungen sind gleich geblieben, es gab keine Gesundheitsprüfung und die Altersrückstellungen wurden vollständig übernommen. Durch den Tarifwechsel spart Ernst nun ca. 370€ monatlich bzw. ca. 4.400€ jährlich. Eine stolze Summe, die dafür sorgt, dass er sich keine Sorgen mehr über unbezahlbare PKV-Beiträge machen muss. So sieht sein neuer Versicherungsschein aus:

Bezahlbar bleiben bis ins Rentenalter: Ihre Möglichkeiten bei der Continentale
Das PKV-System hat für das Rentenalter zwei Puffer fest eingebaut, den Rest steuern Sie selbst. Zuerst die eingebauten:
- Alterungsrückstellungen: Von Vertragsbeginn an angespartes Kapital, das die Kostenkurve im Alter abfedert und Anpassungen mildert.
- Zehn-Prozent-Zuschlag: Wird zwischen dem 21. und 60. Lebensjahr erhoben, entfällt danach automatisch. Ab 65 fließen die angesparten Mittel gezielt in die Beitragsentlastung.
An diesen Punkten können Sie selbst ansetzen:
- Tarifwechsel nach §204 VVG: Das gesetzlich verbriefte Recht, innerhalb der Continentale in einen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln, ohne neue Gesundheitsprüfung, unter vollständiger Mitnahme Ihrer Alterungsrückstellungen. Den kompletten Ablauf erklärt unser Beitrag zum Tarifwechsel nach §204 VVG innerhalb der eigenen Gesellschaft. Bietet der Zieltarif Mehrleistungen, darf der Versicherer nur diesen Mehranteil prüfen, auf Wunsch verzichten Sie darauf und wechseln vollständig prüfungsfrei.
- Krankentagegeld an den Ruhestand anpassen: Mit dem Renteneintritt gibt es kein Erwerbseinkommen mehr abzusichern, der Baustein kann entfallen, der Beitragsanteil verschwindet gleich mit.
- Selbstbeteiligung neu austarieren: Senkt den laufenden Beitrag, verlagert aber Kosten in den Leistungsfall. Wie die Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung genau wirkt und wann sich der Schritt rechnet, zeigen unsere Tipps zur Beitragsoptimierung in der PKV. Die Faustregel: Die jährliche Ersparnis muss die maximal hinzukommende Eigenleistung deutlich übersteigen.
- Beitragsentlastungstarif: Damit sparen Sie planmäßig Kapital an, das Ihren Beitrag ab Rentenbeginn dauerhaft reduziert. Ob sich Beitragsentlastungstarife in der PKV für Sie rechnen, hängt vor allem von den Jahren bis zum Ruhestand ab.
- Beiträge im Voraus zahlen: Für die Vorauszahlung der PKV-Beiträge gewähren Versicherer einen Nachlass. Interessant vor allem bei freien Mitteln, für Selbstständige kommt der mögliche Steuereffekt hinzu.
- Standard- oder Basistarif: Gehört ans äußerste Ende aller Überlegungen. Der Beitrag ist gedeckelt, die Leistungen sind aber stark reduziert, etwa auf dem Niveau der gesetzlichen Kassen.
Was Sie nach der Erhöhung der Continentale besser nicht tun
Vier Reaktionen begegnen uns nach Anpassungsrunden immer wieder. Alle vier kosten am Ende Geld oder Leistung.
- Alles beim Alten lassen
Die Mitteilung ablegen, den neuen Beitrag zahlen, weitermachen. So bleibt der Abstand zum günstigeren Tarif im eigenen Haus Jahr für Jahr bestehen und wächst mit jeder weiteren Anpassung.
- Das mitgeschickte Alternativangebot ungeprüft unterschreiben
Manche Anpassungsmitteilung bringt gleich einen Tarifvorschlag mit, bei Kunden ab 55 schreibt das Gesetz diesen Hinweis sogar vor. Bequem ist das, nur bildet ein einzelner Vorschlag nie die ganze Auswahl ab, die der Bestand der Continentale hergibt. Erst der Blick auf alle gleichartigen Tarife zeigt, ob der Vorschlag hält, was er verspricht.
- Übereilt in den Standard- oder Basistarif flüchten
Der gedeckelte Beitrag klingt nach der schnellen Lösung. Der Preis dafür ist ein Leistungsniveau ungefähr auf GKV-Stand, ein später Weg zurück in höherwertige Tarife ist schwierig. Bevor dieser Schritt auch nur erwogen wird, gehören alle regulären Tarife des Bestands auf den Tisch.
- Vorschnell klagen
Der Gedanke, sich die Erhöhung juristisch zurückzuholen, klingt verlockend. Die Verfahren dauern jedoch Jahre, die Erfolgsquoten sind gering. Zielführender ist die fachliche Prüfung, denn manche Beitragsanpassungen in der PKV sind formal unwirksam, etwa wegen Begründungsmängeln. Genau das lässt sich ohne Prozess klären.
Kündigen und weg? Der Vergleich mit dem internen Tarifwechsel
Das Sonderkündigungsrecht nach einer Beitragserhöhung verleitet manchen zum schnellen Schnitt. Bevor Sie es ziehen, lesen Sie besser, warum ein Anbieterwechsel nur in Ausnahmefällen die bessere Wahl ist und wann die Kündigung der PKV zum teuren Fehler wird.
Die Gegenüberstellung fällt deutlich aus: Beim Anbieterwechsel geben Sie Ihre Alterungsrückstellungen auf, beantworten sämtliche Gesundheitsfragen neu und starten zum höheren Eintrittsalter. Beim Tarifwechsel im eigenen Haus bleibt alles davon unangetastet, nur der Beitrag ändert sich. Für gesunde Kunden in jungen Verträgen kann ein Wechsel des Versicherers rechnerisch aufgehen. Für langjährig Versicherte, gerade mit Vorerkrankungen, spricht fast alles für die interne Lösung.
Häufige Fragen zur Continentale-Beitragserhöhung 2027
Ab wann gelten die neuen Continentale-Beiträge?
Ab dem 01.01.2027. Die Anpassungsmitteilung erhalten betroffene Kunden vorab, in der Regel im November 2026.
Sind auch die Neukunden-Tarife BUSINESS, PREMIUM, COMFORT-U und ECONOMY-U betroffen?
Ja, auch die offene Tarifgeneration erhält vermutlich Anpassungen. Die Werte je Altersgruppe finden Sie in der Tabelle weiter oben im Beitrag.
Habe ich nach der Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht?
Ja. Nach einer Prämienerhöhung können Sie den Vertrag innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Mitteilung zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens kündigen. Ob Sie davon Gebrauch machen sollten, steht auf einem anderen Blatt: Mit der Kündigung verlieren Sie Ihre Alterungsrückstellungen und den Bestandsschutz Ihres Vertrags.
Was passiert, wenn ich auf die Mitteilung gar nicht reagiere?
Der neue Beitrag gilt automatisch, Ihr Vertrag läuft unverändert weiter. Sie müssen nichts unterschreiben. Genau deshalb bleibt eine ungeprüfte Erhöhung so oft dauerhaft bestehen.
Was passiert beim Tarifwechsel mit meinen Alterungsrückstellungen?
Beim Wechsel innerhalb der Continentale nach §204 VVG bleiben sie vollständig erhalten und wirken im Zieltarif beitragssenkend weiter.
Muss ich beim internen Tarifwechsel mit einer Gesundheitsprüfung rechnen?
Nur, wenn der Zieltarif mehr leistet als Ihr bisheriger. Selbst dann gilt sie ausschließlich für den Mehranteil. Verzichten Sie auf die Mehrleistung, findet keinerlei Prüfung statt.
Unterm Strich: Ihre nächsten Schritte
Die Beitragserhöhung der Continentale zum 01.01.2027 ist gesetzt, Ihr künftiger Beitrag ist es nicht. Zwischen beidem liegt eine Prüfung, die Sie nichts kostet außer dem Griff zum aktuellen Versicherungsschein: der Vergleich Ihres Tarifs mit den übrigen Tarifen im Bestand der Continentale.
Als Spezialist für den PKV-Tarifwechsel führen wir diese Prüfung täglich durch. Ob und wie viel bei Ihnen konkret drin ist, können wir aus der Ferne nicht versprechen, das zeigt erst der Blick in Ihren Vertrag.

